Du läufst durch einen dichten Nebel, der aber nicht kalt und nass ist, sondern dich warm und weich umhüllt. Und langsam tauchen Bäume aus dem Dunst auf, große, kleine, junge glatte, alte knorrige.
Ein Weg tut sich auf. Langsam, mit allen Sinnen lauschend, einen Fuß vor den anderen setzend, begibst du dich in den Nebelwald. Da vorne scheint es heller zu werden, ein paar Sonnenstrahlen tanzen schräg durch die Bäume, Vögel zwitschern, es ist Sonnenaufgang.
Und staunend schaust du auf eine Lichtung im Nebelwald, angefüllt mit Leben.
Licht bricht durch die Kronen der Bäume, und Sonnenstrahlen erhellen einen Platz in der Mitte, in dem nachts wohl ein Lagerfeuer brennt. Noch liegt der Rand im Schatten, aber da, wo die Morgensonne schon ein paar Strahlen hinschicken kann, glitzert der Tau im weichen Gras, welches den Elfen des Nachts als Tanzplatz dient.
Staunend näherst du dich vorsichtig. Die ganze Lichtung ist erfüllt von Energie, von Zauber, der hier stattgefunden hat und immer wieder stattfinden wird, die Bäume, all die Pflanzen strahlen ein Wissen aus von vielen Tagen und Nächten - sie haben hier viel gesehen und gehört... ein Ort, der dich magisch anziehen kann.... Traust du dich? Was bringst du mit? Was siehst du? Sind es wirklich Bäume oder sind es in Wirklichkeit ganz andere Wesen, die vorübergehend die Gestalt von Bäumen angenommen haben - wie viele Wirklichkeiten gibt es hier? Du kommst noch ein Stückchen näher, hörst in der Nähe einen kleinen Wasserlauf springen und nimmst die verschiedenen Element wahr.

Es wird heller und du bemerkst die Blumen, die hier im Licht der Sonne wachsen können. Die ersten Hummeln fliegen herum und sammeln Nektar. Die Lichtung wird langsam von Leben erfüllt und scheint fast selbst lebendig. Ein Platz inmitten des sonst eher kargen Waldes, der dazu einlädt, sich umzusehen und niederzulassen.
Neugierig betrittst du die Lichtung und während du dich staunend umsiehst, bewegst du dich langsam zur Mitte, wo du neben der Feuerstelle einen großen, flachen Stein erblickt hast. In der Morgensonne glänzen einzelne Mineralkörnchen in dem Stein. Du fühlst, dass er sehr alt ist, älter als alles andere in der Umgebung.
Aber - was ist das? Auf dem Stein scheint ein Funke zu tanzen. Mal gleißend hell, mal dunkler flackernd kannst du seine Konturen nur schwer ausmachen. Du schaust genauer hin, näherst dich. Der Funke scheint dich frech anzugrinsen und springt dann unvermittelt mitten in die Feuerstelle, in der sofort in einem Funkenstieben Flammen emporschießen. Du springst schnell einen Schritt zurück, damit dir keine Löcher in deine Kleidung gebrannt werden. Du glaubst, ein leises Kichern zu hören. Als du dich umblickst, siehst du den gleichen Funken vor deinen Füßen auf dem Boden herumhüpfen. Du beugst dich zu ihn hinunter, um ihn dir genauer anzusehen, da ist er verschwunden! Doch um dich herum erwacht die Lichtung zum Leben.
Die Windsbraut fährt in die blühenden Wildkirschbäume, von denen du weißt, dass die Früchte am Abend reif sein werden, und tausende Blütenblätter tanzen wie Schneeflocken einen fröhlichen Tanz um dich herum.
Mit einem Mal steht alles still. Die Blütenblätter sind in der Luft festgemacht, die Windsbraut hält den Atem an. Da steht sie,die Göttin, schöner, als du es dir hast je vorstellen können. Zärtlich hat sie einen Arm um den Hals ihres ewigen Gefährten, der sie in seiner Gestalt als Hirschkönig begleitet, gelegt.
Sie schenkt dir ein strahlendes Lächeln, während der Gott dir aus braunen Tieraugen zuzwinkert, und während von irgendwoher eine wundersame Musik erklingt, sind sie schon wieder verschwunden, die Blütenblätter wirbeln wieder in ihrem fröhlichen Tanz.
Auch ein Schmetterling mit roten Flügeln und einem zarten schwarzen Spiralmuster darauf schwebt in der sanften Brise. Fröhlich fliegt er von Blume zu Blume, mal hierhin, mal dorthin, immer auf der Suche nach frischem Nektar.
Derweil steigt die Sonne höher und höher am Himmel...
Es wird warm auf der Lichtung, und du suchst einen Schattenplatz am Waldrand. Deine Augen folgen noch den funkelnden Sonnenstrahlen, da bemerkst du, daß sie dir erwas zeigen wollen. Ein Weg tut sich auf im mit weißen Sternenblüten übersähten Brombeerdickicht, ein Weg, geheimnisvoll und lockend, angefüllt mit wallendem Nebel. Siehst du sogar ein Licht? Will es dich locken, will es dich narren? Folgst du dem Ruf?